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Besonderes aus Eberswalde

In diesem Abschnitt werden Besonderheiten genannt, die Eberswalde von anderen Städten unterscheidet. Es sind dies Ereignisse, Taten von Persönlichkeiten und technische Erfindungen. Ausgewählt wurden vor allem solche, die heute schon in Vergessenheit geraten sind.

Ardeltwerke (später Kranbau Eberswalde)

Im Jahre 1902 nahm am Alsen-Platz ein kleines technisches Industriebüro des Ing. Robert Ardelt († 3.11.1925 in Eberswalde) seine Arbeit auf und entwickelte sich bis zum II. Weltkrieg zu einem Unternehmen mit 8000 Beschäftigten. Das Unternehmen wurde von Robert Ardelt und seinen Söhnen Max, Paul, Robert Dr. (ab 1911) und Rudolf (ab 1919) als Firma Robert Ardelt & Söhne betrieben. 1904 wird in der Eisenbahnstraße 38 eine Maschinenfabrik eröffnet und ab 1911 beginnt der Ausbau des Betriebes auf dem heutigen Gelände an der Heegermühler Straße - Boldtstraße. Vor allem DR. ING. ROBERT ARDELT jun. hat viel zum Ansehen der Fabrik beigetragen. Er erlernte im Betrieb seines Vaters das Schlosserhandwerk, absolvierte das Technikum Neustrelitz, leitete die Gießereien der Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar und entwickelte dort die Methode der reihenweisen Herstellung gusseiserner Druckröhren, wozu er auch die Maschinen konstruierte. Als er als Teilhaber in die väterliche Firma eintrat, brachte er seine Erfahrungen und seine Patente mit ein. Der Bau von Gießereimaschinen, die Projektierung und der Aufbau ganzer Röhrengießereien Robert Ardeltscher Bauart in der ganzen Welt trat in den Vordergrund. Daneben stand gleichwertig die Produktion von Kranen (Eisenbahn-Drehkrane, Wippkrane, Gießbettaufbereitungskrane). Eine weitere Abteilung beschäftigte sich mit der Herstellung von Saugzug- und Entstaubungsanlagen.
Besonders bekannt wurde der Betrieb durch seine umfangreiche Beteiligung am Bau des Schiffshebewerkes, durch sein Anschauungsmodell im Maßstab 1:5, an dem das Verhalten der neuen Sicherheitsvorkehrungen erprobt wurde. Ein weiterer Arbeitszweig im Maschinenbau war der Bau von Diesellokomotiven, wobei eine Erfindung, das Ardelt-Überholungsgetriebe, genutzt wurde, die zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten fand. Straßenfertiger produzierte man für den Autobahnbau. Die Gießereien des Werkes wurden modernisiert, sie fabrizierten hochwertiges Gusseisen, verwendeten neue Werkstoffe, z.B. Leichtmetalle. Auch sozial trat der Betrieb in Erscheinung durch Siedlungsbauten in Ostende und in Nordend sowie durch Werkswohnungen in der Nähe. 1935 wurde das Gemeinschaftshaus und die Sportanlage gegenüber dem Werk fertiggestellt. Leider ist diese stürmische Entwicklung des Betriebes nach dem Weltkrieg durch Zerstörung, Reparationsleistungen und die Wirtschaftspolitik gehemmt worden. Er wurde verstaatlicht. Man spezialisierte sich auf Hafenkrananlagen, die weltweit einen ausgezeichneten Ruf besitzen. Die heute auf 200 Mitarbeiter verkleinerte Firma hat sich sehr gut in dem Marktsegment positioniert und entwickelt neue Kranprodukte mit einer hoch qualifizierten Mannschaft.

Dachpappe

Vormals Heegermühler Straße, neben dem Hauptbahnhof.
1852 gründen Büscher & Hoffmann die bekannten Dachpappen- und Asphaltwerke. Es sind der Mühlenbaumeister Friedrich Wilhelm Büscher und der Königliche Baurat Friedrich Eduard Hoffmann, die sich zusammentun. Bereits 1842 hatte Ebart in der Fabrik in Weitlage Dachpappe produziert. Büscher gelang die Entwicklung von Endlospappe. 1854 wurden die Asphaltfilzplatten erfunden, die der Firma Weltgeltung verschafften. Große Bedeutung erlangte Isoliermaterial für Bahn-, Brücken-, Tunnel- und Festungsanlagen. Die Einführung von Kiespappdächern, die Erfindung der Patentkiesschutzleiste und künstliche Steinröhren fanden großen Absatz. Bald wurden Zweigstellen errichtet. Für die Erzeugung der Teerprodukte schuf man eigene Destillationsanlagen. Ab 1908 produzierte das Werk auch die teer- und wartungsfreie Spezialpappe "Barusin".
Der Betrieb ist heute nicht mehr erhalten, er hat einem Lebensmitteldiscounter Platz gemacht.

Mineralbrunnen bei Neustadt-Eberswalde /

Gesundbrunnen

Die Stadt darf sich rühmen, der älteste Badekurort der Mark Brandenburg gewesen zu sein. Das erste Zeugnis findet sich in dem Buch des Leonhart Thurneisser zum Thurn 1572: "Pison. Von kalten, warmen, minerischen und metallischen Wassern."
Im Dreißigjährigen Krieg ging die Erinnerung daran verloren. Anno 1750 wurde der Alte Gesundbrunnen "aufgeräumt und mit Quadersteinen zu vier Ellen lang und breit, auch mit einem Gitterzaun eingefasset." Bald erhält er im Neuen Brunnen in der Brunnenstraße Gesellschaft. Ein weiteres Fließ vom Drachenkopf, der "Bullerspring", wurde 1907 in Röhren gefasst und abgeleitet. Die Quellen des neuen Gesundbrunnens sind mehrfach auf ihre Eignung untersucht worden (Apotheker Arndt 1745, Apotheker Mertens 1793, Regierungsrat Augustin u.a., Obermedizinalrat Klaproth 1806). Mertens stellte 1794 fest, dass das Eberswalder Wasser besser sei als das Freienwalder. Der Gebrauch des Wassers habe "die herrlichsten Wirkungen hervorgebracht, namentlich bei 1. Nervenschwäche und Gliederlähmung, 2. bei Rheumatismus und Gicht, 3. bei Hautausschlägen". Durch Vertrag mit der Stadt 1816 darf Mertens ein Bad errichten. 1818 übernimmt dies der Stadtphysikus Dr. Raumer. Das Bad verfügt über die Rasen-, die Königs-, die Augen- und die Uferquelle. Am 1.6.1891 wurde das "Bade-Hotel Gesundbrunnen" eröffnet. Mit der Eberswalder Brunnen-Direktion sollte die Märchenvilla mit Park für den Kurbetrieb genutzt werden. Aber bereits 1892 ist der Kurbetrieb beendet. Heute zeugen vom Gesundbrunnen noch eine eingefasste Quelle, die "Villa Märchen", zwei zum Gesundbrunnen gehörige Häuser und ein Rest des Kurgartens in der Brunnenstraße.

Eberswalder Goldfund (Nachbildung) /

Goldfund

Messingwerk im Ortsteil Finow
Am 16. Mai 1913 wurde auf dem Gelände des Messingwerkes beim Ausheben einer Fundamentgrube für Werkswohnungen ein Tontopf gefunden, der 81 dicht gepackte Gegenstände aus Gold enthielt. Der Direktor des Werkes, Aron Hirsch, verständigte C. SCHUCHHARDT, den Direktor der Vorgeschichtlichen Abteilung der Königlichen Museen in Berlin. Dieser nahm den Fund mit nach Berlin, bearbeitete ihn wissenschaftlich und veröffentlichte 1914 einen Prachtband mit dem Titel: "Der Goldfund vom Messingwerk bei Eberswalde". Der Schatz wog 2,59 kg. Er bestand aus 8 dünnwandigen, getriebenen und reich verzierten Schalen, 3 Halsringen, 1 Armband und 5 Armspiralen. 55 Doppelspiralen waren zu Bündeln zusammengeschnürt. Einen Goldbarren, 2 kleinere Teile sowie 1 Metallstück mit der Form eines Schmelztiegels gehörten als Rohmaterial dazu.

Form, Verzierung und Art der Herstellung weisen einen Einfluss der früheisenzeitlichen Hallstattkultur nach. Schuchhardt datierte die Entstehung der Gegenstände um 750 v. der Zeitwende.
Seit Kriegsende war der Goldfund verschollen. Sein Aufenthaltsort ist heute bekannt. Eine Nachbildung der Schalen befindet sich u.a. im Stadt- und Kreismuseum Eberswalde.

Handwerkerfamilien

In seinem "Eberswalder Handwerksbuch" hat Rudolf Schmidt die Entwicklung des Eberswalder Handwerks aufgezeigt. Es beweist, wie über Generationen hinweg Eberswalder Familien sich demselben Handwerk bis zum heutigen Tage widmeten. Eine kleine Auswahl soll dies belegen.
Am 1.1.1749 wird der Gürtler Johann Moritz Elling Bürger von Eberswalde. Aus dem Gürtlerhandwerk geht das Goldschmiedehandwerk hervor. So ist der 1848 ins Bürgerbuch eingetragene Johann Wilhelm Julius Elling der erste Goldarbeiter. 1890 bezieht Goldschmiedemeister Wilhelm Julius Elling sein neuerbautes Haus Kreuzstraße 35. Dort bleibt die Familie bis 1945. Heute finden wir das neu eingerichtete Geschäft des Juweliers Andreas Elling in der Kreuzstraße.
Das Malergeschäft Paul Klamann wird erstmalig 1892 in der Weinbergstraße 3 genannt. Ein Schlossermeister Louis Dietze taucht 1880 auf. Heute setzt Klaus Dietze das durch Wolfgang Dietze vergrößerte und nun spezialisierte Unternehmen fort.
1856 finden wir einen Tischlermeister Ferdinand Wilhelm Boronsky. Auch dieser Betrieb existiert heute noch.
Weiterhin sind als Familienbetriebe zu nennen: Uhrmachermeister Wagner (seit 1835), heute I. Kannewurf und Tischlermeister Samland (seit 1875).

Ehemalige Hufnagelfabrik am Finowkanal / W. Ebert

Hufnagelfabrik

1871 baute man am Kupferhammerweg die weithin bekannte Hufnagelfabrik. Verwendet wurde das Patent der Hufnagelschmiedemaschine. Ihre Besitzer waren Julius und Hugo Möller und Clemens Schreiber, die unter ihrem Namen das große Unternehmen betrieben. 1926 wurde der Betrieb stillgelegt und ging zeitweise in ausländischen Besitz über.
Von den Fabrikgebäuden steht heute nur noch der unter Denkmalschutz stehende Schornstein mit Teilen des Heizhauses. Die im nachklassizistischen Stil gehaltene Fabrikantenvilla und der dazugehörigen Park befinden sich in einem äußerst schlechten Zustand.

Kranbau: Siehe Ardelt-Werke

Lötlampe: Der hiesige Königliche Fabrikinspektor August von Marquardt erfand 1797 in Eberswalde die Lötlampe.

Denkmal des Märkischen Sängerbundes (Zoo Eberswalde) / W. Ebert

Märkischer Sängerbund

Auf Betreiben des Berliner Gesanglehrers Franz Mücke und des Eberswalder Buchdruckereibesitzers Carl Müller feierte man am 11.7.1847 das erste märkische Volksgesangsfest am Wasserfall. Es kamen 12 Chöre mit 400 Sängern. Jährlich trafen sich die Sänger zum Wettstreit an dieser Stätte.

3.6.1861 vereinigten sich unter dem Vorsitz MÜCKES 43 Gesangsvereine zum Märkischen Sängerbund. Bis zu seinem Verbot wurden allein in Eberswalde 50 Sängertreffen veranstaltet. Nach dem Krieg hat ein Männerchor sich den Namen Franz Mücke gegeben und versucht, die Tradition des Sängertreffens aufleben zu lassen.

Schleppschifffahrt, elektrische

In den Jahren 1898-99 sind am Finowkanal Versuche durchgeführt worden, um ein System der elektrischen Schleppschifffahrt zum Treideln von Kähnen auf Kanälen mit starkem Verkehr zu erproben. Die Versuchsstrecke (ca. 1000 m) hatte die Firma Siemens & Halske mit staatlicher Unterstützung in Stadtnähe eingerichtet und zwei Systeme erprobt. 1889 besichtigte eine Kommission aus Vertretern der Regierung und des Preußischen Abgeordnetenhauses die Anlage.
Die Fortbewegung der Schleppkähne bewirkte eine elektrische Lokomotive, die längs des Kanals auf Schienen fuhr. Den Gleichstrom von 500 V entnahm sie einer Oberleitung, die an Masten befestigt war, und zwar über eine Stange mit Rolle. Die elektrische Schleppschifffahrt nach dem System von Köttgen wird in "Der Bär", Jahrgang 25, Seite 723, wie folgt beschrieben:
"Die ungefähr 2000 kg schwere Lokomotive ruht mit ihrer Hauptlast nur auf einer Schiene, während die andere als Führung dient... Seitlich an der Lokomotive ist ein Sitz für den Führer angebracht, von dem aus der letztere den Kanal bequem überblicken kann. Mit seiner linken Hand bedient er den Anlass- und Regelungsapparat, mit der rechten die Bremse. Der Angriffspunkt des Treidelseils an der Lokomotive liegt ungefähr 1 m über dem Gleis; es läuft alsdann nach oben gerichtet zum Schiff, wo es an dem bis 5 m hohen Treidelbaum befestigt wird. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 4-5 km/Stunde... zieht die Lokomotive 600 kg. Diese Kraft genügt zur Bewegung von 3 vollbeladenen oder 2 beladenen und 2 leeren Finowkähnen... Schwierige Uferstellen bei Fabriken, Ziegeleien oder Lagerstellen passiert sie auf leichten Brücken."

Spritzkuchen

Die berühmten Eberswalder Spritzkuchen schuf zuerst der Konditor Gustav Louis Zietemann, der seine Konditorei an der Westseite des alten Marktes hatte. Diese Spezialität gab es nicht nur in der Konditorei, sie wurde lauthals auf dem Eberswalder Bahnhof angeboten.

Finowtal mit Badeanstalt und Funkstation / Historische Postkarte

Telegraphenbauanstalt

Am 13.2.1909 eröffnet die Telegraphenbauanstalt C. Lorenz AG aus Berlin in Eberswalde am Finowkanal die Versuchsfunkstelle für Telegraphenbau. Hier sind bedeutsame Entwicklungsarbeiten der deutschen Telegraphie und Telephonie geleistet worden. Im Jahre 1923 wurden hier die ersten drahtlosen Konzerte gesendet und damit der deutsche Unterhaltungsrundfunk geboren. Sechs musizierende Eberswalder bildeten das erste deutsche Rundfunkorchester.

Weiterhin wurden die Voraussetzungen für die Einführung des Lorenz-Paulsen-Systems bei Heer und Marine und die Grundlagen für den Tonfilm geschaffen. Der winzige Holzbau der Versuchsanstalt steht heute noch in der Nähe der Badeanstalt.

Ehemaliger Waggonfahrstuhl der Hufnagelfabrik / W. Ebert

Waggonfahrstuhl

Technikdenkmal, Kupferhammerweg.
Auf dem Gelände der ehemaligen Hufnagelfabrik Möller & Schreiber steht dieser Waggonfahrstuhl. Um die Eisenbahnwaggons von der Bahn an den Betrieb heranzuführen, musste eine Stufe von 9,60 m überwunden werden.

Man baute dieses Hebewerk für Güterwagen zu 25 t Gewicht. Elektromotor und Ölhydraulik sorgten dafür, den Waggon, der auf eine Hebebühne in das Stützgerüst einfuhr, in 15 Minuten zu heben oder in 5 Minuten zu senken. Die Last wurde, wie beim Schiffshebewerk durch Gewichte ausgeglichen.

Der Waggonfahrstuhl ist der einzige weit und breit und steht vielleicht in konstruktivem Zusammenhang mit dem Schiffshebewerk, er sieht aus wie dessen kleiner Bruder.

 

Hoffmann`scher Ziegel-Ringofen in Neuenhagen /

Ziegel-Ringofen

1856 erfand der Eberswalder Industrielle, der Königliche Baurat Friedrich Eduard Hoffmann (siehe Dachpappenfabrik Büscher & Hoffmann) den Ziegel-Ringofen, der über Eberswalde hinaus große Verbreitung fand und weltweit das Prinzip der Ziegelbrennerei begründete. Von den zahlreichen Ziegeleien in Eberswalde ist keine erhalten geblieben.

 

© Märkische Eiszeitstraße, K. Rohlfien, Verein für Heimatkunde Eberswalde, 2004

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23.09.2014

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