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Groß Ziethen

Geschichte | Ortsbeschreibung | Dorfkirche

Geschichte

In der Umgebung des Dorfes sind zwei Gräberfelder und eine Siedlung der jüngeren Bronzezeit gefunden worden.
1275 verkauften die Markgrafen Otto V. und Albrecht III. ihr Dorf Cythene an die Mönche von Chorin. Übersetzt weist der Name auf einen Ort hin, in dem Riedgräser und Binsen wachsen. Nach der Hufenzahl für Kirche und Schulzen muss das Angerdorf eine deutsche Gründung gewesen sein. Die Markgrafen müssen von der Rückkaufsklausel Gebrauch gemacht haben, denn 1319 überwies Markgraf Woldemar das Dorf Magma Scyten wieder an Chorin, das vorher der Ritter Slotheko ein Jahr und der markgräfliche Marschall Redekin zwei Jahre besessen hatten. Von letzterem hatte es das Kloster gekauft. Groß Ziethen hat dann während der folgenden Zeit dauernd zum Kloster gehört. Es war ein stattliches, an einem großen See gelegenes Kolonialdorf mit 64 Hufen. Nicht weniger als 35 Kossäten waren vorhanden.
Nachdem der Kurfürst zum protestantischen Glauben übergetreten war, gingen das Kloster Chorin und sein Besitz und damit auch das Dorf Groß Ziethen 1542 in das Eigentum des Landesherren über. Kurfürst Joachim II. ließ sein Kammergut und späteres Amt Chorin ab 1543 durch Amtleute verwalten.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf völlig zerstört - nur zwei Bauern und ein paar Witwen blieben am Leben. 1686 siedelten 11 französische Emigrantenfamilien in Groß Ziethen, zu denen ab 1689 auch Pfälzer kamen. Sie bildeten eine geschlossene Kolonistengemeinde mit einem eigenen französisch-reformierten Prediger. Erst 1813 wurde die französische Sprache bei den Gottesdiensten abgeschafft. Das französisch-reformierte Pfarramt bestand als einziges in einer brandenburgischen Landgemeinde bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Seit 1675 versah ein "kurfürstlicher Wildschütz" in Groß Ziethen Dienst. Er war für den kurfürstlichen Wildzaun zuständig. Noch 1805 und später wohnte dort ein "Königlicher Hägemeister".
Groß Ziethen liegt am südwestlichen Rand des Ziethener Seebruchs, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein teilweise noch offener, einen Werder umspülender See war. 1915 legte man das Bruch trocken.

Die historische Mühle nach Restaurierung / W. Ebert

Ortsbeschreibung

Als Straßenangerdorf hat sich Groß Ziethen bis heute die Form der mittelalterlichen Ansiedlung im Wesentlichen bewahrt. Die Bausubstanz enthält an verschiedenen Stellen des Ortes gegenwärtig noch charakteristische Teile unterschiedlicher französischer und deutscher Bauart. So sind - nach Manoury (1961) - bei deutschen Gehöften Stall und Scheune getrennt. Französische Gehöfte haben einen straßenseitigen Giebel und der Stall schließt sich am Gebäude hinten an.

Besonders herauszuheben ist die alte Dorfschmiede, die vom Ende des 19. Jahrhunderts stammt sowie die "Historischen Dampfmühle". Sie wurde um 1890 von Wilhelm Krause errichtet und war noch bis 1991 in Betrieb. Zuletzt diente sie noch als Schrotmühle und Speicher. Danach wurde sie stillgelegt und drohte zu verfallen. Durch Initiative des Vereins "Steinschläger- und Hugenottendorf Groß Ziethen e. V." wurde das Gebäude von Grund auf saniert. Es wird jetzt zu einem Besucher- und Erlebnis-Zentrum für den Geopark "Chorin-Joachimsthaler Eiszeitlandschaft" und als Ausgangspunkt für den "Historisch-geologischen Lehrpfad" entwickelt. Die Geschichte des Dorfes, von den Hugenotten, dem Tabakanbau bis hin zu den Steinschlägern wird ebenfalls hier nacherlebbar gestaltet.

Dorfkirche

Die Dorfkirche von Groß Ziethen - Zeichnung aus "Kunstdenkmäler des Kreises Angermünde"

Die Kirche in Groß Ziethen, ein gotischer Feldsteinbau aus dem frühen 13. Jahrhundert, besteht aus einem rechteckigen Schiff und einem eingezogenen, quadratischen Chor. Die ursprünglich rundbogigen Fenster und Portale sind zugesetzt, jedoch noch deutlich erkennbar. Im 30jährigen Krieg (1618 - 1648) wurde die Kirche zerstört. Erst in der Zeit der Ansiedlung französischer Flüchtlinge (Hugenotten) wurde die Kirche wieder aufgebaut und 1717 fertiggestellt. Die hineingebrochenen, backsteingefassten Spitzbogenfenster und die gotisierende Westvorhalle entstanden während der Restauration 1864, ebenso der Ausbau des Inneren mit West-Empore und spätklassizistischem Kanzelaltar. Über dem Westgiebel befindet sich ein quadratischer, verbretterter Dachturm von 1717. Zur Ausstattung gehören 2 Kelche, eine Taufschale und Taufkanne, alle aus Silber und um 1720/30 angefertigt. Die 3 Gussstahlglocken wurden 1929 vom damaligen Pfarrer Traugott Doyé beschafft. Die ursprünglich vorhandenen Glocken aus Bronze mussten im 1. Weltkrieg für die Munitionsherstellung abgeliefert werden.

 

Literatur:
Die Kunstdenkmäler des Kreises Angermünde. Heft IV, Greiffenberg, Joachimsthal, Amtsbezirke Görlsdorf, Grimnitz, Altkünkendorf. Berlin 1929
Landschaften in Deutschland - Werte der deutschen Heimat. Um Eberswalde, Chorin und um den Werbellinsee. Böhlau Verlag, 2002

© Märkische Eiszeitstraße, A. Busse, W. Ebert, 2004

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26.11.2014

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