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Naturwandel im Landkreis Barnim

Foto: Luftbild Ahrensfelde / HNE Eberswalde Foto: Luftbild Ahrensfelde / HNE Eberswalde

Zehnter Bürgerworkshop „In welcher Natur wollen wir leben?“ in Eberswalde

Engagierte Diskussionen und interessante neue Ideen

In vorweihnachtlicher Atmosphäre nutzten einige Eberswalder Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Eindrücke und Wünsche in den Barnimer Landschaftsrahmenplan einfließen zu lassen. Am Abend des 20.12.2016 wurde in der Aula des Stadtcampus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung die Eberswalder Natur aus vielen Blickwinkeln betrachtet und diskutiert. In drei Arbeitsgruppen brachten die interessierten Teilnehmenden ihr Wissen sowie ihre Erfahrungen und Ideen zur derzeitigen und zukünftigen Landnutzung im Raum Eberswalde ein.
Der Workshop wurde hierzu in drei Themenblöcke gegliedert, wobei sich die Fragen explizit auf die Stadt Eberswalde und die nähere Umgebung bezogen:

  • Natur & Mensch: Was schätzen Sie an der Natur? Wie nutzen Sie die Natur?
  • Natur & Veränderung: Welche Naturveränderungen & -gefährdungen nehmen Sie in Eberswalde wahr?
  • Zukunftsnatur: Visionen für die Natur & ihre Nutzung im Raum Eberswalde

Dabei wurde zunächst auf die positiven Aspekte und Einflüsse von Flora und Fauna auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingegangen. Ein besonderer Fokus wurde dabei auf die Erlebbarkeit der Naturgeschichte gelegt: Die Entstehung, Bedeutung und historische sowie aktuelle Nutzung von Landschaftselementen wie dem Finowkanal spielen im Alltag der Bevölkerung eine wichtige Rolle. Darüber hinaus sind der Treidelweg, die Brunnenberge sowie die waldreiche, hügelige Umgebung Eberswaldes von herausragender Bedeutung.
Bei der Beschreibung wahrgenommener Gefährdungen für die Natur in und um Eberswalde kamen besonders die Versiegelung von Flächen (z.B. durch Parkplätze) und der verstärkte Zuwachs an Siedlungsbereichen wie Einfamilienhaus-Gebieten am Stadtrand zur Sprache.
Auch die Ausbreitung von Ackerschlägen und zunehmende Intensivlandwirtschaft stellen laut der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Gefahr für die Natur Eberswaldes dar. Fehlende Gehölzstrukturen im landwirtschaftlichen Bereich verringern die ökologische Funktionalität zusätzlich. Die Vegetationsräume im Stadtgebiet wurden auch berücksichtigt, wobei Baumfällungen an Gewässern und wenig effektive Kompensationsmaßnahmen für die Entfernung von Pflanzenwuchs kritisiert wurden. Es wurde deutlich, dass die Eberswalder Bürgerinnen und Bürger die sie umgebende Flora und Fauna lieben und ehren und auch weiterhin in vollen Zügen genießen wollen. Daher wurden weitere Aspekte wie die Vermüllung des Naturraums, die saisonale Übernutzung vieler Gewässer sowie zunehmender Vandalismus sowohl an der Natur als auch an kulturellen Gegenständen debattiert und als negativ betrachtet.
Für die Zukunft der Eberswalder Natur und ihre Nutzung wünschten sich die Teilnehmenden einen grundsätzlich sensibleren und nachhaltigeren Umgang mit ihr. Es war den Bürgerinnen und Bürgern wichtig, die Vielfalt der Landschaft mit ihren Biotopen, Erholungsräumen und Grünstrukturen in Siedlungsgebieten zu wahren und gleichzeitig innovative Ideen wie den Lückenschluss im Radwegenetz oder energetisch notwendige Quellen erneuerbarer Energie einzubinden. Moderne aber gleichzeitig traditionelle Ideen wie die „essbare Stadt“ in Form von Gemeinschaftsgärten, weiteren Wildbrücken sowie einer stärkeren Umsetzung von Wildnisinseln in Wohngebieten wurden weiterhin genannt.
Die Ergebnisse dieses ersten Bürgerworkshops in Eberswalde werden unter anderem die Perspektiven und Ideen der Bürgerinnen und Bürger im Landschaftsrahmenplan für den Barnim repräsentieren.
Die projekteigene Website www.natuerlich-barnim.de wird laufend mit neuen Ergebnissen der räumlichen Analysen sowie Terminen und Ergebnissen der Workshops aktualisiert. Die Website bietet zudem die Möglichkeit, online zum Thema "Naturwandel – In welcher Natur wollen wir leben?" zu diskutieren und auch an der Umfrage zur Naturzufriedenheit im Barnim teilzunehmen.
Das Projekt Anpass.BAR wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Mit Anpass.BAR kooperiert der Landkreis mit dem Zentrum für Ökonik und Ökosystemmanagement der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNEE). Bis Ende 2017 soll mit dem Projekt Anpass.BAR der Landschaftsrahmenplan für den Landkreis sowie ein Barnim-Atlas erstellt werden.