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Abschied von Dragan und Alisha

Foto: Abschiedsdinner / Stadt Eberswalde

Am Donnerstag vor der Abreise gab es ein Abschiedsdinner.

Presseinformation der Stadt Eberswalde

Kurz vor 9 Uhr werden die Boxenklappen geschlossen. Nach nur wenigen Sekunden ist Dragan in seiner Transportbox verschwunden. Alisha ist zwar genauso neugierig, aber vorsichtiger. Sie zögert noch ein Weilchen. Wenige Minuten später spaziert auch sie in die Box und wird anschließend von den Eberswalder Tierpflegern in den Transporter getragen. Tierpfleger Uwe Fanke startet am 26. Juni 2015 gegen halb zehn in Eberswalde mit den beiden Zoolieblingen im Gepäck. Ziel ist nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde.

„Box an Box werden sie nach Berlin gebracht. Wir haben Dragan und Alisha die Tage zuvor an die Transportbox gewöhnt, damit sie nicht so aufgeregt sind. Jetzt während der Fahrt können sie sich riechen und hören. Sie sind die ganze Zeit zusammen“, erklärt Zoodirektor Dr. Bernd Hensch. Er selbst verabschiedet sich noch einmal bei den jungen sibirischen Tigern, pustet sie freundschaftlich an, gibt Streicheleinheiten. Auch Tierpflegerin Leona Klöppel schaut vorbei. Sie war es, die Dragan im Herbst vergangenen Jahres dazu gebracht hatte, Flaschenmilch zu trinken. Der Tigerjunge war am 7. Oktober 2014 im Eberswalder Zoo geboren. Nach knapp vier Wochen musste der Zoo den Kleinen von der Mutter trennen. Sie hatte zu wenig Milch und konnte ihn nicht versorgen. „Zwei Wochen lang hat Dragan um sein Leben gekämpft“, erinnert sich Hensch. Ähnlich erging es auch Alisha. Sie wurde am 10. Dezember 2014 im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde geboren. Wenig später verständigten sich beide Zoochefs, dass die Tiere zusammengeführt werden sollen.

Am 10. März 2015 kam Alisha nach Eberswalde. Auf Anhieb verstanden sich beide Tiere. Ganz langsam wurden sie aber zusammengeführt. „Alisha hatte zu dem Zeitpunkt noch dünnes Fell und musste langsam an die Temperaturen draußen gewöhnt werden. Außerdem war sie noch viel mickriger als Dragan, sie war ja auch zwei Monate jünger“, so der Zoochef. Nachdem sich beide Tigerkinder die ersten 14 Tage unter Aufsicht im Gehege kennenlernten, konnten sie danach von Tag zu Tag mehr Zeit gemeinsam im Gehege und ohne Kontrolle verbringen. Jede Woche überlegte sich das Zooteam eine neue Überraschung für die sibirischen Tiger. Sie bauten ihnen Pappschiffe, damit sie sich ins Wasser trauen. Sie befüllten Baumstämme oder Kartons mit Gewürzen. Einen Tag vor der Abreise gab es ein Abschiedsdinner. In der Anlage draußen erwartete die Tigerkinder ein fein gedeckter Tisch mit rohem Fleisch, Obst und einer Kunst-Kerze. „Dragan traute sich als erster und ließ sich erst sein Stück Fleisch schmecken und dann auch das von Alisha. Sie entdeckte die Kerze für sich. Das Obst hat keiner angerührt“, schmunzelt Hensch.

„Wir Kollegen, aber auch die Besucher werden die beiden vermissen“, sagt Paulina Ostrowska, die Leiterin der Zooschule. Täglich führten die Mitarbeiter der Zooschule die Besucher zu den Tigerjungen. „Hier war immer viel los.“ In Berlin haben beide das Wochenende lang Zeit, sich einzugewöhnen. Erst ab Montag werden sie für die Besucher zu sehen sein. „Für sie ist dort erst einmal alles neu. Aber sie haben sich beide, sie sind zusammen“, sagt der Zoodirektor und fügt hinzu: „Dragan wird die Kleine in jedem Fall beschützen.“
Wie es danach für Dragan und Alisha weitergeht, ist noch unklar. Bis zum Jahresende bleiben sie erst einmal zusammen in Berlin. „Dann sind sie ein Jahr alt, aber noch nicht geschlechtsreif. Wo sie hinkommen, entscheidet der Zuchtbuchführer in London. Der Tierparkchef Dr. Andreas Knieriem und ich haben gemeinsam darum gebeten, dass Dragan und Alisha zusammen vermittelt werden“, so Hensch. Die Chancen dafür stehen nicht so schlecht, denn eine genetische Überprüfung ergab, dass beide Tiger nicht miteinander verwandt sind. Egal, was London Ende des Jahres oder später entscheiden wird, Eberswaldes Zoodirektor wird ein Auge drauf haben und notfalls ein Veto einlegen, falls das zukünftige Gehege zu klein sein sollte. Bis dahin werden die Zoomitarbeiter regelmäßig nach Berlin fahren, um ihren beiden Schützlingen einen Besuch abzustatten.
 
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Abschiedsdinner: Dragan und Alisha bekamen wöchentlich Aufgaben von den Tierpflegern. Am Donnerstag vor der Abreise gab es ein Abschiedsdinner.

Verabschiedung: Tierpflegerin Lenoa Klöppel verabschiedet sich von den Tigern. Uwe Fanke fährt die Tiger nach Berlin.