Title

„Waldsiedlung Wandlitz - Eine Landschaft der Macht“

Foto: Waldsiedlung / Oliver Koehler

Neue Sonderausstellung im Wandlitzer BARNIM PANORAMA

Presseinformation Gemeinde Wandlitz / BARNIM PANORAMA Naturparkzentrum Agrarmuseum Wandlitz

Am 12. Mai fand im BARNIM PANORAMA in Wandlitz die offizielle Eröffnung einer neuen Sonderausstellung statt. Unter dem Titel „Waldsiedlung Wandlitz – Eine Landschaft der Macht“ liefert sie einen historisch-kritischen Überblick über die Geschichte der ab 1958 errichteten und bis Anfang 1990 von den SED-Spitzenfunktionären genutzten Wohnsiedlung.


Die zu Bernau gehörende Waldsiedlung Wandlitz ist nach wie vor in Ost und West ein Symbol für den ganz speziellen Politik- und Lebensstil der SED-Führung, für deren Privilegien und für die Abschottung von der Lebensrealität der DDR-Bevölkerung. Die Wandlitzer Verwaltungschefin Dr. Jana Radant bestätigte in ihrem Grußwort den erstaunlichen Bekanntheitsgrad des Namens Wandlitz: „Wenn ich irgendwo in der Bundesrepublik unterwegs bin, bekomme ich in der Regel ein großes `Àh´, wenn ich sage, in welcher Gemeinde ich als Bürgermeisterin arbeite.“ Denn viele, so die Bürgermeisterin, glaubten nach wie vor, dass die DDR-Regierung und auch Erich Honecker  in Wandlitz gewohnt hätten.   

Anhand zahlreicher, auch unbekannter Dokumente bietet die neue Ausstellung Einblicke in die alltägliche Lebenswelt der Politbüromitglieder, ihre Sonderversorgung und das Sicherheitsregime in der vom Ministerium für Staatssicherheit betreuten Siedlung. So konnte für die erste Ausstellungswoche der Dienstwagen von Erich Mielke, ein schwarzer Volvo, von seinem heutigen Eigentümer, einem Autosammler, ausgeliehen werden. Außerdem zu sehen, der Strohhut von Erich Honecker, den dieser gerne im Sommer trug, und zwei Skulpturen. Der  bronzene Jaguar stand  vor dem Haus von Erich Mielke,  ein  bronzener  Mädchenkopf schmückte  die Bibliothek von Walter Ulbricht. Bei den Skulpturen handelt es sich um Leihgaben der Stadt Bernau bei Berlin und deren Dauerausstellung „Kunstraum Innenstadt Bernau“. Auf einer riesigen begehbaren Bodenkarte im BARNIM PANORAMA sind überwachte und gesperrte  Gebiete markiert, so dass  die Ausstellungsbesucher anschaulich nachvollziehen können, welche Gebiete und diverse „Freizeitobjekte “in der Region von der DDR-Staatsmacht in Beschlag genommen wurden.   

Flankierend zur Ausstellung im BARNIM PANORAMA liefern Informationsstelen an ausgewählten authentischen Orten, u.a. auch auf dem früheren Gelände der Waldsiedlung, der heutigen Brandenburg-Klinik, historisches Wissen und Orientierung für die Besucherinnen und Besucher des Areals. Sie zeigen z.B. wo sich die Wohnhäuser von Erich Honecker, Erich Mielke und der anderen Funktionäre befanden oder das „Ladenkombinat“, wo die Waldsiedlungs-Bewohner u.a. auch mit West-Produkten Waren versorgt wurden. In der Gemeinde Wandlitz weisen Tafeln beim einst von der Staatssicherheit genutzten Schloss Dammsmühle in Schönwalde und am ehemaligen SED-Erholungsheim Karl Litke in Wandlitz auf das historische Erbe hin.

Um die Waldsiedlung Wandlitz rankten sich zu DDR-Zeiten viele Gerüchte und Mythen, und die Privilegien der SED-Führungsschicht sorgten für wachsenden Unmut in der Bevölkerung. Das Thema erlangte im Herbst 1989, nachdem die Medien erstmals hinter die Mauern der Waldsiedlung blicken durften, große politische Sprengkraft. Die mediale Eroberung der Waldsiedlung gilt als einer der wichtigen symbolischen Akte der Friedlichen Revolution 1989. Auch Kuratorin Dr. Elke Kimmel erinnerte in ihren einführenden Worten an den 23. November 1989. Die Bilder der an diesem Tag ausgestrahlten Fernsehreportage „Elf 99“ nehmen auch in der jetzigen Ausstellung eine herausgehobene Stellung ein. „Denn sie zeigen das Eindringen der Medien in einen bis zu diesem Zeitpunkt komplett vor der Öffentlichkeit verborgenen Ort, der auf den Karten der DDR nicht einmal verzeichnet war,“ so Elke Kimmel.

Die Gemeinde Wandlitz partizipiert heute als tourismusorientierte Gemeinde von der „berühmten Geschichte und dem historischen Erbe der Bernauer Waldsiedlung Wandlitz“, wie es Bürgermeisterin Jana Radant formulierte. Denn immer mehr Menschen interessieren sich für bedeutsame Orte deutscher Geschichte. Die Wandlitzer Verwaltungschefin möchte deshalb, dass  die Waldsiedlung im Gemeindemarketing und in der Außendarstellung der Kommune eine noch größere Rolle als bisher spielt. „Gehen wir mit unserer Geschichte und unserer Vergangenheit selbstbewusst um“, so Jana Radant.

Das Ausstellungsprojekt „Waldsiedlung Wandlitz – Eine Landschaft der Macht“ ist eine Kooperation der Gemeinde Wandlitz und des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Es wurde durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg sowie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.