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Unfallzahlen gehen kontinuierlich zurück

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Arbeit der Barnimer Verkehrsunfallkommission trägt Früchte

Der Langzeittrend zeigt: Die Unfallzahlen im Landkreis Barnim gehen kontinuierlich zurück. Seit 2011 stagniert diese Entwicklung jedoch – obwohl in den vergangenen Jahren zahlreiche Unfallhäufungsstellen entschärft werden konnten. „Der Fokus unserer Arbeit liegt auf der Vermeidung schwerer Verkehrsunfälle, bei denen Menschen zu Schaden oder gar ums Leben kommen“, erklärt Marcel Kerlikofsky, Leiter der Verkehrsunfallkommission Barnim und erläutert, dass man vor allem in diesem Bereich einen Anstieg um 8,5 Prozent zu verzeichnen habe.

Dass der Ansatz, die Unfallhäufungsstellen zu entschärfen, dafür richtig ist, belegt ebenfalls ein Blick in die Statistik. Die Verkehrsunfälle an den Unfallhäufungsstellen (UHS) ging in diesem Jahr um 17 Prozent zurück. Insgesamt acht dieser Stellen konnten soweit entschärfen, dass diese nicht weiter beobachtet werden müssen. In der aktuellen Liste führt die Verkehrsunfallkommission des Landkreises Barnim nun noch neun Unfallhäufungsstellen. „Dennoch müssen wir an dieser Stelle weiterarbeiten“, so Kerlikofsky weiter.

Denn auch im vergangenen Jahr verloren vier Menschen auf Barnimer Straßen ihr Leben. Ursächlich hierfür war in zwei Fällen Alkohol und einmal der Konsum von Betäubungsmitteln. Beim vierten Fall hatte ein Pkw-Fahrer auf der L 200 einen Radfahrer nicht rechtzeitig erkannt, und es kam zur Kollision.
Positive Entwicklung bei Baumunfällen
Eine positive Entwicklung gab es bei der Zahl der Baumunfälle. Besonders auffällige Strecken wie etwa zwischen Buckow und Altenhof oder zwischen Althüttendorf und Joachimsthal wurden entschärft. Dabei wurden die Kurvenverläufe verdeutlicht, Messstellen festgelegt und teilweise durch eine Oberflächenbehandlung die Griffigkeit der Fahrbahn verbessert.
Für die B 158 (Seefeld – Werneuchen – Tiefensee) wurde zudem der Beschluss gefasst, dass in Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion Ost die Unfallkonzentrationen ermittelt werden. In den entsprechenden Bereichen soll das Straßenumfeld dann so ausgebildet werden, dass ein Abkommen von der Fahrbahn nicht zu schweren Unfallfolgen führt (Prinzip des Fehler verzeihenden Straßenumfeldes). Ist eine solche Gestaltung nicht möglich, sind Fahrzeugrückhaltesysteme (Schutzplanken) erforderlich. Dieses Prinzip soll auch für andere Unfallhäufungsstellen übernommen werden.
Beim Pflanzen neuer Bäume in Fahrbahnnähe ist darüber hinaus zu berücksichtigen, dass diese zu gefährlichen Hindernissen heranwachsen. Bäume sollen deshalb nur in Bereichen gepflanzt werden, die von abkommenden Fahrzeugen nicht erreicht werden können (z. B. hinter Fahrzeug-Rückhaltesystemen oder auf Einschnittböschungen).

Als einen Unfallschwerpunkt für Motorradfahrer hat die Verkehrsunfallkommission bereits vor einiger Zeit die Strecke zwischen Eberswalde, Liepe und Oderberg ausgemacht. Dort finden ständige Geschwindigkeitskontrollen statt. Nun wird es zudem einen Verkehrsversuch an der Unfallhäufungsstelle auf der L 29 (Ortsausgang Liepe in Fahrtrichtung Oderberg) geben. Hierzu sollen Sondermarkierungen mit Rüttelstreifen installiert werden. Diese dienen zum Reduzieren der Geschwindigkeiten und zum Erhöhen der Aufmerksamkeit. Die Maßnahme wird Anfang des Jahres beim zuständigen Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung beantragt.

Großen Nachholbedarf sehen die Experten nach wie vor in Sachen Sicherheit für Radfahrer. „Während der Radverkehr beträchtlich zunimmt, sehe ich erhebliche Defizite bei der Verkehrssicherheit durch mangelhafte Infrastruktur“, erklärt Marcel Kerlikofsky. Für den Februar ist deshalb eine Sonderveranstaltung zum Radverkehrsunfallgeschehen geplant. Die Verkehrsunfallkommission lädt die Gemeinden, Straßenverkehrsbehörden und weitere Träger der Verkehrssicherheit zum Runden Tisch der Verkehrssicherheit ein. Dabei soll es unter anderem um die Themen

  • Radwegebenutzungpflicht – Handlungsstrategien für Kommunen
  • Hauptunfallursachen bei den Radfahrenden
  • Unfallprävention/Entschärfung von Unfallstellen
  • Planung und Bau von Radwegen mit alternativen Führungen für den Radverkehr (Markierungslösungen, Radfahr- und Schutzstreifen)
  • Gestaltung von Radverkehrsanlagen an Knotenpunkten

gehen.

Senioren als Unfallverursacher

Mit Sorge ist der seit einigen Jahren anhaltende Trend zu betrachten, wonach immer mehr Senioren (ab 65 Jahre) in Verkehrsunfälle verwickelt werden. Bis Ende November ereigneten sich im Landkreis Barnim bereits 1065 Verkehrsunfälle mit Senioren. In mehr als zwei Drittel der Fälle waren die Senioren auch Hauptverursacher. Die Verkehrsunfallkommission wird diese Unfallgeschehen genauer analysieren und etwaige Präventionsmaßnahmen daran ausrichten.