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Vielfalt an Strukturen des Naturschutzes

Großer Stein bei Oderberg-Neuendorf/Nadin Sauer

Naturdenkmale

Ein sehr ursprüngliches Instrument des Naturschutzes ist die Ausweisung von Naturdenkmalen. Jeder kennt die imposanten alten Bäume mit den Eulen-Schildern, die in fast jedem Ort, aber auch im Wald, anzutreffen sind. Doch es gibt auch andere Naturdenkmale. Im Landkreis Barnim existiert seit 2001 eine einheitliche Naturdenkmal-Liste, die thematisch in Bäume/Gehölze, Findlinge und Geotope/ geologische Sonderformen gegliedert ist. Diese Gliederung machte sich erforderlich, da die unterschiedlichen Objekte verschiedene Schutzbestimmungen benötigen. Die Liste wird regelmäßig aktualisiert. Neben Neuaufnahmen, zu denen fortlaufend neue Vorschläge eingehen, sind auch Streichungen notwendig, wenn ein Naturdenkmal nicht mehr erhalten werden konnte. Aktuell enthält die Liste 258 Bäume und Gehölzgruppen, 32 Findlinge und 13 Geotope im Landkreis. Findlinge und geologische Sonderformen werden in der Regel in Abstimmung mit dem Brandenburgischen Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe unter besonderen Schutz gestellt.
Zu den Bäumen und Gehölzen sind sicher keine grundsätzlichen
Erläuterungen notwendig. Unter den Baum-Naturdenkmalen sind die Eichen mit 114 Stück am häufigsten vertreten. Oft handelt es sich um Eichen, die aus Anlass besonderer Ereignisse gepflanzt wurden, wie die Friedens-Eichen, die vielerorts nach der Völkerschlacht 1813 oder nach dem deutsch-französichen Krieg 1871 gepflanzt wurden.
Es gibt aber noch ältere Bäume, wie die über 500 Jahre alten Huteeichen in der Schorfheide oder die faszinierende Silke-Buche bei Groß Schönebeck. Die stärkste Stiel-Eiche im Landkreis mit mehr als 7,35 m Stammumfang, steht auf dem Pehlitzwerder bei Brodowin. Die stärkste Linde, eine Winter-Linde mit 7,95 m Stammumfang, steht im Tramper Park. Die stärksten Bäume überhaupt sind eine echte Schwarzpappel in Börnicke mit 8,87 m Stammumfang und eine Feldulme in Ladeburg mit 8,09 m Stammumfang.


Findlinge sind bekanntermaßen Gesteinsblöcke, die ab etwa 1 m² Größe als naturdenkmalwürdig gelten. Der imposanteste Findling ist 2008 beim Ausbau der Autobahn A11 an der Anschlussstelle Joachimsthal in der Nähe von Althüttendorf gefunden und geborgen worden. Das Gewicht wird auf ca. 32 t geschätzt.


Einige geologische Sonderformen sollen hier besonders
erläutert werden.
Ein Os (Wallberg oder Esker) ist eine bahndammähnliche Aufschüttung von geschichteten Schmelzwassersanden und -kiesen, die während der Eiszeit unter dem Gletschereis gebildet wurde. Die Schmelzwasserbäche nahmen Moränenmaterial auf und lagerten es entlang ihres Laufes wieder ab. Daher bestehen Oser meist aus groben Sanden, Kiesen und Blöcken. Da die Schmelzwässer parallel zur Eisbewegungsrichtung flossen, verlaufen Oszüge in Norddeutschland meist von Nord nach Süd, wie beispielsweise in Ahrensfelde.


Die Ablagerung von Sand, Kies und Schotter in Schmelzwasserbächen oder Eisspalten konnte auch punktuell erfolgen, so dass nach dem Abtauen des Toteiskörpers rundliche Hügel (Kames) zurückblieben – wie beispielsweise der Große und der Kleine Rummelsberg bei Brodowin.
Blockpackungen sind Teilbereiche der Endmoräne, die einen besonders hohen Anteil an großen Gesteinsblöcken aufweisen. Bei den Steinen handelt es sich um nordische Geschiebe, die mit dem Gletscher aus Skandinavien hierher transportiert und beim Abtauen des Eises besonders zahlreich im Zuge der Endmoräne abgelagert wurden. Eine sehr beeindruckende Blockpackung kann im Kerngebiet des Geoparks bei Groß Ziethen, Sperlingsherberge in Augenschein genommen werden.


Neben den allseits bekannten Küstendünen kommen in Mitteleuropa auch Binnendünen vor. Sie wurden ursprünglich im kalten Klima während der ausklingenden Weichseleiszeit gebildet. In der heutigen Zeit sind Binnendünen nur noch selten offensichtlich. In der Regel sind sie mit Wald bestockt oder werden landwirtschaftlich genutzt.