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Mini-Jetlag zum Ende der Sommerzeit:

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Die innere Uhr und unser Wohlbefinden

Presseinformation der GLG

Drei Fragen an Dr. Uta-Susan Donges, Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Martin Gropius Krankenhaus in Eberswalde

Am 29. Oktober endet die Sommerzeit. Inwieweit kann das Menschen biologisch aus dem Takt bringen?
Zunächst ist es so, dass das Zurückstellen der Uhren von der „Sommerzeit“ auf die „Winterzeit“ bzw. die eigentliche „Normalzeit“ meist etwas angenehmer wahrgenommen wird als das Vorstellen auf die „Sommerzeit“, bei der eine Stunde verlorengeht. Bei der „Winterzeit-Umstellung“ bekommen wir eine Stunde dazu und haben dann einmal einen 25-Stunden-Tag, der von der natürlichen inneren Uhr des Menschen nicht allzu sehr abweicht. Unser Bio-Rhythmus wird aber durch die Umstellung beeinträchtigt und führt zu einer Art Mini-Jetlag, der erst nach Tagen überwunden werden kann. Manche Menschen haben durch die Zeitumstellung vorübergehend Schlafstörungen und leiden unter erhöhter Müdigkeit. Besonders betroffen sind Kinder und auch ältere Menschen, deren Biorhythmus empfindlicher reagiert.

Der Medizin-Nobelpreis ging in diesem Jahr an Wissenschaftler, die sich mit der inneren Uhr des Menschen beschäftigt haben und Mechanismen auf molekularer Ebene entschlüsseln konnten. Bis in jede Zelle hinein wirkt der tägliche Rhythmus von Licht und Dunkel und beeinflusst zugleich die Psyche. Welche Folgen hat es körperlich und psychisch, dass es nach der Zeitumstellung eine Stunde früher dunkelt?
Unumstritten ist, dass der wichtigste Taktgeber für den Biorhythmus und damit für die innere Uhr das Sonnenlicht ist. Der Hell-Dunkel-Rhythmus beeinflusst auch die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Melatonin wird vermehrt bei Dunkelheit ausgeschieden und macht müde. Körperliche Faktoren, die dem Tagesrhythmus unterliegen, sind zum Beispiel Blutdruck, Pulsfrequenz, Körpertemperatur und die Ausschüttung von Glukokortikoiden in der Nebennierenrinde. Damit hat die Zeitumstellung auf „Winterzeit“ auch Auswirkungen auf unseren biologischen Rhythmus und auf den Schlaf-Wach-Rhythmus, und der Körper benötigt einige Zeit, um sich an die Veränderungen anzupassen. Bevölkerungsbefragungen haben gezeigt, dass mehr als jeder Vierte gewisse gesundheitliche Probleme wegen der Zeitumstellung hat. Müdigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, Abgeschlagenheit sind die am meisten genannten Beschwerden. Eine dänische Studie zeigte sogar, dass es jedes Jahr zu einem Anstieg der Krankenhausbehandlung wegen schwerer Depressionen nach der Uhrumstellung auf die Sommer- und Winterzeit gekommen ist. Vermutet wird, dass die frühe Dämmerung für die Menschen in nordischen Ländern sehr belastend ist, da sie dann wieder im Dunkeln von der Arbeit zurückkehren und wissen, dass dies über viele Monate anhält. Die dafür gewonnene Stunde am Morgen wird dagegen weniger bemerkt. Gefühlt wird der plötzliche Verlust von einer Stunde Tageslicht, der auf das Gemüt schlagen kann.

Bei welchen Beschwerden ist ärztlicher Rat gefragt und wo findet man diesen?
Wenn massive, länger anhaltende Beschwerden, wie Schlafstörungen, Müdigkeit, depressive Verstimmungen, Konzentrationsschwäche und Gereiztheit, auftreten und lange anhalten, ist ein Arztbesuch anzuraten. Sollte sich eine depressive Verstimmung entwickeln oder bereits eine saisonale Winterdepression bekannt sein, muss die Hilfe eines Psychiaters in Anspruch genommen werden. Die Psychosomatik, die sich mit der gegenseitigen Beeinflussung von Körper und Psyche befasst, ist ein fachlicher Schwerpunkt unserer Klinik, die auch über tagesklinische ambulante Beratungsangebote in der Region verfügt. Weitere Informationen dazu kann man im Kliniksekretariat unter der Telefonnummer 03334 53-267 erhalten.
 

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