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Gute Startchancen im Barnim

, Landkreis Barnim

(v.l.): Stephan Felsberg (Sachgebietsleiter Bildung, Landkreis Barnim), Jenny Güldner (Schulassistenz, Karl-Sellheim-Schule), Schulsozialarbeiterin Annelie Fehse, Dr. Christine Schäfer (Leiterin Bildungs- und Schulverwaltungsamt, Landkreis Barnim), Carl Wallrodt (stv. Schulleiter, Karl-Sellheim-Schule), Schülerin Sophie Dähne, Schulleiterin Anne-Claire Störmer (Karl-Sellheim-Schule) und Landrat Daniel Kurth. Foto: Landkreis Barnim/Bachmann

Landkreis Barnim und Karl-Sellheim-Schule geben Einblick in Umsetzung des bundesweiten Startchancen-Programms

Wie Schule als moderner Lern-, Lebens- und Entwicklungsort gestaltet werden kann, stand am Montag, den 12. Mai 2026, im Mittelpunkt eines Pressegesprächs an der Karl-Sellheim-Schule in Eberswalde. Gemeinsam informierten Vertreterinnen und Vertreter der Schule sowie des Landkreises Barnim über die Umsetzung des bundesweiten Startchancen-Programms, den Ausbau der Schulsozialarbeit und die konkreten Herausforderungen im Schulalltag.

Eingeladen hatten die Karl-Sellheim-Schule und der Landkreis Barnim als Schulträger. Neben Medienvertreterinnen und -vertretern nahm auch Landrat Daniel Kurth an dem Termin teil und verschaffte sich persönlich einen Eindruck von den Entwicklungen vor Ort.

Bereits zu Beginn machte Stephan Felsberg, Sachgebietsleiter Bildung beim Landkreis Barnim, deutlich, dass das Startchancen-Programm den Ausbau der Schulsozialarbeit im Landkreis ermöglicht. Daher können am Beispiel der Karl-Sellheim-Schule beide Bereiche zusammen betrachtet werden.

Schule entwickelt neue Lernkonzepte bis 2034

Schulleiterin Anne-Claire Störmer stellte gemeinsam mit dem stellvertretenden Schulleiter Carl Wallrodt die Entwicklungsschwerpunkte der Karl-Sellheim-Schule vor. Ausgangspunkt seien die Erfahrungen aus dem Programm "Schule macht stark" gewesen, in dessen Rahmen die Schule bereits mehrere Maßnahmen umsetzen konnte und dabei intensiv wissenschaftlich begleitet wurde.

Im Mittelpunkt der weiteren Schulentwicklung stehen drei Leitgedanken:

  • störungsfreies Lernen ermöglichen,
  • die Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit ihrer Schule stärken,
  • sowie ein starkes Kollegium und multiprofessionelles Team weiterentwickeln.

Daraus entstand eine langfristige Schulvision bis 2034, die auf individuelle Förderung, moderne Lernumgebungen und eine stärkere Orientierung an den tatsächlichen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler setzt.

Geplant sind unter anderem:

  • moderne Lern- und Aufenthaltsbereiche,
  • neue Raumkonzepte für kreatives und individuelles Arbeiten,
  • Rückzugs- und Erholungsräume,
  • multifunktionale Fach- und Lernräume,
  • sowie eine stärkere Gestaltung des Schulhofes und gemeinschaftlicher Aufenthaltsbereiche.

Die Schule reagiert damit auf eine zunehmend heterogene Schülerschaft mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und sozialen Hintergründen. Ab dem kommenden Schuljahr sollen deshalb kleinere Lerngruppen sowie ein 60-Minuten-Unterrichtsmodell eingeführt werden. Damit sollen mehr Ruhe, Stabilität und individuelle Förderung im Schulalltag ermöglicht werden.

Umfangreiche Fördermittel für Schulen im Barnim

Im weiteren Verlauf erläuterte Stephan Felsberg die Struktur des bundesweiten Förderprogramms. Das seit August 2024 laufende Startchancen-Programm ist auf zehn Jahre angelegt und richtet sich gezielt an Schulen in sozial herausfordernden Lagen. Grundlage für die Auswahl der Schulen war ein Sozialindex.

Im Landkreis Barnim nehmen sieben Schulen am Programm teil, davon fünf in kreislicher Trägerschaft:

  • die Karl-Sellheim-Schule,
  • die Goetheschule,
  • die Oberschule Eberswalde,
  • die Johannaschule in Bernau
  • sowie das Oberstufenzentrum II Barnim.

Für die kreislichen Schulen stehen über die gesamte Laufzeit erhebliche Fördermittel bereit. Rund 5,6 Millionen Euro entfallen auf Investitionen in Gebäude, Ausstattung und Lernumgebungen. Hinzu kommen Mittel für Projekte, individuelle Förderangebote und multiprofessionelle Teams. Insgesamt können an den fünf kreislichen Schulstandorten Fördermittel in Höhe von rund 18 Millionen Euro eingesetzt werden.

Schulsozialarbeit fest im Schulalltag verankert

Einen praxisnahen Einblick in die tägliche Arbeit der Schulsozialarbeit gab Schulsozialarbeiterin Annelie Fehse. Sie schilderte die vielfältigen Belastungen, mit denen Schülerinnen und Schüler konfrontiert seien - darunter familiäre Probleme, Armut, psychische Belastungen, Mobbing, soziale Konflikte oder Erfahrungen mit Ausgrenzung und Rassismus.

Die Schulsozialarbeit an der Karl-Sellheim-Schule umfasst individuelle Beratungsgespräche, Präventionsangebote, soziale Gruppenarbeit, Demokratiebildung sowie zahlreiche Projekte und Freizeitangebote. Dabei gehe es nicht nur um akute Krisenhilfe, sondern auch darum, Schule wieder stärker als positiven Lebensort erfahrbar zu machen. Gemeinsame Aktivitäten, Ausflüge oder schulische Veranstaltungen stärkten das Gemeinschaftsgefühl und eröffneten vielen Jugendlichen neue Erfahrungen außerhalb des klassischen Unterrichts.

Auch zwei Schülerinnen schilderten ihre Perspektive auf die Schulsozialarbeit. Beide betonten die Bedeutung niedrigschwelliger Gesprächsangebote und die wichtige Rolle von Vertrauen, Unterstützung und persönlicher Ansprache im Schulalltag. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter würden von vielen Schülerinnen und Schülern aktiv aufgesucht und als wichtige Ansprechpartner wahrgenommen.

Schwimmförderung als wichtiges Thema

Auch das Thema Schwimmförderung wurde während des Pressegesprächs angesprochen. Carl Wallrodt berichtete, dass zusätzliche Schwimmangebote inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Fördermaßnahmen an der Schule seien. Mitunter gäbe es mitunter Klassen, in denen die Hälfte der Schülerinnen und Schüler keine ausreichenden Schwimmkenntnisse mitbringen würden.

Landrat Daniel Kurth zeigte sich insgesamt beeindruckt vom Engagement der Schule und der Vielzahl der angestoßenen Projekte. Besonders hob er hervor, mit welchem Einsatz die Schule gemeinsam mit ihren Partnern daran arbeite, Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern und Schule als positiven Lebens- und Lernort weiterzuentwickeln. Dazu gehörten neben neuen Lernkonzepten und Angeboten der Schulsozialarbeit auch zusätzliche Förderangebote wie die Schwimmkurse. Der Landkreis wolle die Schulen weiterhin dabei unterstützen, praktische Lösungen für bestehende Herausforderungen zu finden.

Landkreis baut Schulsozialarbeit weiter aus

Zum Abschluss stellte der Landkreis Barnim die Entwicklung der Schulsozialarbeit an kreislichen Schulen vor. Seit einem Kreistagsbeschluss aus dem Jahr 2023 wird Schulsozialarbeit schrittweise an allen Schulen in Trägerschaft des Landkreises aufgebaut. Durch einen weiteren Kreistagsbeschluss im März 2026 kann die Zahl der Stellen weiter erhöht werden. Derzeit stehen sieben Stellen zur Verfügung, perspektivisch sollen es elf bis vierzehn Stellen werden.

Landrat Daniel Kurth unterstrich in diesem Zusammenhang die große Bedeutung der Schulsozialarbeit für den Schulalltag. Die Angebote seien für viele Schülerinnen und Schüler inzwischen eine wichtige Unterstützung und ergänzten die pädagogische Arbeit an den Schulen wesentlich. Gleichzeitig formulierte er eine klare Erwartung an das Land Brandenburg: Wenn Schulsozialarbeit dauerhaft als Aufgabe an Schulen verankert werde, dürften die Schulträger mit den entstehenden Kosten nicht allein gelassen werden. Langfristig brauche es dafür auch eine verlässliche Finanzierung durch das Land.

Abschließend betonte der Landrat, dass sich der Landkreis Barnim klar zur Schulform Oberschule bekennt und beim Mitteleinsatz keine Unterschiede gemacht werden. Mit dem Startchancen-Programm komme nun zusätzliche Unterstützung des Bundes hinzu, um Bildungschancen stärker von der sozialen Herkunft zu entkoppeln und Schulen langfristig zu stärken.

Robert Bachmann
Pressesprecher